Die instrumentelle Ganganalyse wird inzwischen in aktuellen deutschen Leitlinien auch ausdrücklich als Baustein der Diagnostik und Behandlungsplanung beschrieben – ihr Stellenwert in der Versorgung ist damit klar benannt und fachlich begründet.
Leitlinien…
- sind systematisch entwickelte Empfehlungen für Ärzte und andere Gesundheitsberufe, wie sie Diagnostik und Behandlung sinnvoll und evidenzbasiert gestalten.
- geben eine Orientierung, sollen bei Entscheidungen helfen.
- finden sich auf der Homepage der AWMF https://register.awmf.org/de/start
AWMF steht für „Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften“, ein Zusammenschluss der medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie koordiniert und veröffentlicht unter anderem die medizinischen Leitlinien, sorgt für gemeinsame Standards und unterstützt die evidenzbasierte Empfehlungen. - arbeiten mit Empfehlungsgraden und Konsensstärke, damit nachvollziehbar ist, wie sicher bzw. breit getragen eine Empfehlung ist.
- werden je nach Aufwand und Methodik ihrer Entwicklung in Qualitätsstufen eingeteilt: S2‑Leitlinien basieren auf einer strukturierten Expertenkonsensfindung unter Berücksichtigung der Literatur (k = „konsensbasiert“ → die Empfehlungen beruhen vor allem auf der geordneten Expertenkonsensfindung), während S3‑Leitlinien zusätzlich auf einer systematischen, evidenzbasierten Auswertung der Studienlage und einem formalen Konsensverfahren beruhen.
Kindlicher Knick-Senkfuß
S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-053

Das Schaubild aus der Leitlinie zeigt, dass die Ganganalyse gezielt eingesetzt wird: als weiterführende Diagnostik bei rigiden oder schmerzhaften Knick‑Senkfüßen, bei auffälliger Funktion oder Beweglichkeit, zur Operationsabwägung und -planung, zur postoperativen Kontrolle sowie zur Ergänzung der konservativen Behandlung (z. B. Einlagen, Orthesen, Physiotherapie). Sie unterstützt damit das im Stufenschema dargestellte, schrittweise diagnostische und therapeutische Vorgehen.
Die entsprechenden Empfehlungen finden Sie in den Abschnitten:
- 3.4.2 Pedobarographie – Empfehlungen 10 & 11 (Seite 13)
- 3.4.3 Videoanalyse (beobachtende Ganganalyse) – Empfehlung 12 (Seite 14)
- 3.4.4 Instrumentelle 3D‑Ganganalyse – Empfehlung 13 (Seite 15)
Diagnostik und Therapie der unilateralen spastischen Zerebralparese
S3-Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/071-014

Das Schaubild aus der Leitlinie zeigt, dass die instrumentelle 3D‑Ganganalyse hier in mehreren Bereichen eingesetzt wird: zur diagnostischen Abklärung bei zunehmenden Gangauffälligkeiten oder neuen Symptomen, zur Planung und postoperativen Kontrolle invasiver Interventionen mit dem Ziel der Gangverbesserung, zur physiotherapeutischen Zielsetzung durch Ableitung individueller Therapieziele sowie zur Entscheidungsfindung und Evaluation von Hilfsmitteln und Orthesen.
Die entsprechenden Empfehlungen finden Sie im Abschnitt
- 2.7 INSTRUMENTELLE 3D-GANGANALYSE (Seite142-150)
- und EMPFEHLUNGEN 2.8.1 – 2.8.5.
PDF: Diagnostik & Therapie unilaterale spastische Zerebralparese
